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Annika Lutz und Vincent Mauch sind die AzubiTalente 2026

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AzubiTag in der Stadthalle Sigmaringen mit Keynote von Tobias Rockenfeld und Gesprächsrunde „Wer lernt hier eigentlich von wem?“

Rund 50 Auszubildende und Ausbildungsverantwortliche aus dem ganzen Landkreis sind am Mittwoch, 28. Oktober, zum dritten AzubiTag in die Stadthalle Sigmaringen gekommen. Eingeladen hatten die Wirtschaftsförderungs- und Standortmarketinggesellschaft Landkreis Sigmaringen (WIS) und der Unternehmerverband Landkreis Sigmaringen (UVS). Erstmals richtete sich der Tag ausdrücklich auch an Ausbilderinnen und Ausbilder.

„Fachkräftesicherung beginnt mit Wertschätzung. Wer junge Menschen sieht und fördert, hält sie in der Region“, sagte Beatrix Andriof, Geschäftsführerin der WIS und Vorstandsmitglied des UVS, zur Begrüßung.

„Ja, und“ statt „Ja, aber“

Den Auftakt machte Tobias Rockenfeld vom Theatersport Tübingen mit seiner Keynote „Innovation beginnt mit einem Ja, und …“. Seine Botschaft: Jeder Mensch ist von Geburt an kreativ, als Erwachsene verlernen wir das oft. Neue Ideen entstehen im Austausch und sollten nicht sofort bewertet werden. Am Beispiel Kodak zeigte er, was passiert, wenn man Neues abblockt: Dort wurde schon 1975 die erste Digitalkamera entwickelt. Aus Sorge um das Filmgeschäft setzte das Unternehmen aber lange nicht darauf und verlor später den Anschluss. Sein Rat: „Ja, und“ statt „Ja, aber“, eine klare Sprache und regelmäßig dranbleiben.

Lernen in beide Richtungen

Wer lernt hier eigentlich von wem? Darüber sprach Moderatorin Felixa Dollinger mit Eileen Reichel (HVD Produktion, Hettingen, AzubiTalent 2025), Ira Gasser (Auszubildende bei Geberit, Pfullendorf), Jürgen Herter (Ausbilder bei TRUMPF, Hettingen) und Kim Wiehl (Wiehl Treppen, Bingen, Netzwerk der UVS-Jungspunde).

Den Vorwurf, die Jugend sei heute fauler, wollte niemand stehen lassen. Was nach Faulheit aussehe, sei oft Selbstfürsorge, sagte Eileen Reichel. Jürgen Herter gab mit einem Augenzwinkern zu, dass er früher selbst einen „Kein Bock“-Button an der Jacke trug.

Schnell wurde klar, dass beide Seiten viel voneinander lernen können. Junge Leute gehen ohne Scheu an Social Media und KI heran. Kim Wiehl bat die Azubis im Saal sogar ausdrücklich um Hilfe. Ira Gasser warnte aber davor, sich blind auf KI zu verlassen: „Ihr habt einen Kopf, benutzt ihn.“ Umgekehrt wünschen sich Azubis, dass ihre Ausbilder das Warum erklären. „Das war schon immer so“ sei keine Antwort.

Zum Schluss ging es um Vorbilder. Chefs und Ausbilder müssten nicht perfekt sein, sondern authentisch, fanden Wiehl und Reichel. Jürgen Herter ergänzte: Wer etwas verlangt, muss es selbst vorleben. Nur so sei man glaubwürdig, und nur so funktioniere Lernen in beide Richtungen.

 Die AzubiTalente 2026

Höhepunkt war die Verleihung des AzubiTalent, das der UVS zum zweiten Mal vergeben hat. Aus 19 Nominierungen der Ausbildungsbetriebe wählte der siebenköpfige UVS-Vorstand die Preisträger aus. Noten spielten keine Rolle. Gewürdigt wurde, wer sich ehrenamtlich oder sozial engagiert und mehr tut, als er muss.

Annika Lutz macht bei der Optigrün international AG eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Sie organisiert Sommerfest und Azubiwoche mit, springt in der Zentrale ein und hat sich in der Ausbildung von einer eher schüchternen zu einer selbstbewussten jungen Frau entwickelt. Vincent Mauch macht in der Möbelwerkstatt Boos in Krauchenwies eine Ausbildung zum Schreiner. Er unterrichtet seit Jahren Kinder an der Kinderakademie, war mit Erasmus in Finnland und hat sich selbst an die CNC-Maschine herangearbeitet.

Beatrix Andriof überreichte die Preise als Vorstandsmitglied im Namen des UVS-Vorstands. „Annika und Vincent zeigen, was in einer Ausbildung steckt: Man lernt im echten Betrieb, übernimmt früh Verantwortung und entwickelt sich persönlich enorm“, sagte sie in ihrer Laudatio. Die beiden erhielten eine Urkunde und jeweils 500 Euro für ihr Team im Betrieb, ihre Ausbildungsbetriebe eine Plakette. Alle Nominierten bekamen eine Sonnenblume und einen Frühstücksgutschein vom Backhaus Mahl. Beim Mittagessen klang der Vormittag mit vielen Gesprächen aus.

Die Veranstaltung wird gefördert vom Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg.